Markus Hoppe
Markus Hoppe - Hinter den Kulissen der 51. Deutschen Meisterschaft in Gersthofen
Nicht mehr lange; nicht mehr lange! Das ist es, was mir am Sonntag, eine Woche vor der Deutschen, durch den Kopf schießt. Motiviert wie noch nie vor einem Wettkampf, habe ich auf den Anruf von Erich meinem Trainer gewartet, der mir die letzten Instruktionen vor der Deutschen durchgeben wollte. Dann ging’s los, am Montag entladen und auftrinken. Dasselbe am Dienstag und am Mittwoch. Dann endlich der Donnerstag, Zeit zum Aufladen. Leider nur mit Reis, 800g auf den Tag verteilt. Dann war es so weit, die Koffer waren gepackt und Katja und ich machten uns auf den langen Weg nach Gersthofen. Wir hatten etwa 380km vor uns, sind aber zeitig losgefahren, um ohne Stress in Gersthofen anzukommen. Aber wie so oft im Leben kommt es etwas anders, als geplant. Wir standen im Stau, zwei geschlagene Stunden hat uns das gekostet und dennoch haben wir es noch pünktlich zum Wiegen in die Stadthalle geschafft. Vor keinem anderen Wettkampf in dieser Saison war ich so guter Dinge wie vor der Deutschen. Das lag daran, dass ich die letzten Male am Tag vor dem Wettkampf noch immer 6-7 Liter Wasser aus mir herauspressen musste. Nicht aber vor der Deutschen, was sich am Ende aber leider als Fehler herausstellen sollte.
Ich hatte beim Wiegen 114.8kg und hatte somit eine ganz gute Form und hab mich auch ganz gut gefühlt. Nach dem Wiegen sind wir dann direkt ins Hotel zum Einchecken und zum Pennen, da so eine Vorbereitung sehr an den Kräften zehrt, dauerte es auch nicht lange und ich war im Land der Träume.
Samstag der 8 Mai. Tag der Deutschen Meisterschaft. Ich bin früh aufgestanden, damit mir genug Zeit zum Rasieren und zum Packen blieb. Ich habe darauf gewartet, dass Erich ins Zimmer kommt, um mir zu sagen, wie meine Form in seinen Augen ist. Er kam recht früh ins Zimmer und ich war guter Dinge. Er war ganz zufrieden und somit war auch ich ganz zufrieden.
Dann sind wir los zur Halle, ich habe mir ein Plätzchen gesucht und auch eines gefunden, direkt neben meinem Freund und Rivalen Marco Schmidt. Marco und ich haben uns gegenseitig den Mund wässrig gemacht, indem wir davon redeten, was wir nach dem Wettkampf alles in uns rein schaufeln wollen. So verging die Zeit und schon war es so weit, wir mussten auf die Bühne. Ich war unglaublich aufgeregt und war nicht mehr in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Ich versuche jetzt auch gar nicht euch zu beschreiben, was für Gefühle in einem herrschen, wenn man kurz davor ist, auf die Bühne zu gehen.
Drei Vergleiche später war der Spuk für´s Erste auch vorbei. Ich bin auf dem schnellsten Weg raus, um mir ein Feedback zu holen und um zu sehen, wo ich stand.
Laut Erich sah es nicht gut aus und hat mit seiner ehrlichen und direkten Art es geschafft, mir die Laune so richtig zu verderben.
Meine Form war nicht das, was wir erwartet hatten. Woran es lag, wissen wir bis heute nicht, jetzt galt es den Schaden zu beheben. Das war eine ganz nette Sache, da es für mich hieß, ich durfte zum Chinesen und mir den Bauch vollschlagen.
Die Strategie ging zum Teil auf, dennoch war meine Laune alles andere als gut. Ich bin dann zurück ins Hotel, um mich etwas auszuruhen: Nach ein paar Stunden war es dann so weit. Es ging auf die Bühne, ich habe nur noch funktioniert und meine Emotionen waren völlig außer Kontrolle. Als es dann zur Siegerehrung auf die Bühne ging, war ich nicht mehr ansprechbar. Es ging alles sehr schnell und als ich dann erfuhr, das ich den Dritten Platz errungen hatte, war ich am Boden zerstört. Mein Ziel war es von Anfang an, den Titel in der Männerklasse 5 zu holen, selbst wenn ich Zweiter geworden wäre, hätte das meine Laune nicht verbessert. Ich war stink wütend, sauer und total enttäuscht.
Mein Traum vom Titel binnen Sekunden geplatzt!!
Jetzt ging es darum, den Schuldigen zu ermitteln, am einfachsten fand ich, war es die Jury als Sündenbock zu nehmen und in meiner unendlichen Trauer und Wut, tat ich das auch. Und das Gute war, das all Jene, die sich so sicher waren, dass ich gewinne, mir in meinem Bestreben der Jury die Schuld an meinem schlechten Abschneiden zu geben auch fleißig geholfen haben. Mit dieser Wut im Bauch habe ich mich dann mit dem Ziel den anderen Athleten beim Bankett nichts vom Büfett übrig zu lassen, dann auch schnell auf den Weg dort hin gemacht.
Der Level meiner Wut hielt so lange an, bis ich dann nach dem Interview die ersten Bilder vom Vergleich sehen konnte. Und auf einmal wurde mir klar, dass ich der Jury wohl etwas voreilig gegenüber gewesen bin. Mit dieser Erkenntnis, bin ich dann zurück an meinen Platz gelaufen, wo auch schon Markus Becht auf mich gewartet hat.
Um es kurz zu machen, Markus hat mir dann auf seine Art (nett aber bestimmt) klar gemacht, was für ne Scheiße ich da fabriziert habe.
Zurück im Hotel hatte mir dann meine Frau auf ihre Art gezeigt, das ich von Anfang an für sie Deutscher Meister war. Ich rede hier von einem Geschenk, nicht was ihr denkt ;-)
Am nächsten Tag haben wir uns nach einem köstlichen Frühstück, dann auf den Heimweg gemacht.
Ich habe ein paar Tage gebraucht, um die Enttäuschung zu verarbeiten und noch ein paar um mir einzugestehen, dass ich selbst Schuld an der Niederlage hatte.
Ich freue mich für Marco, der sich diesen Titel verdient hat!!
Was mich angeht, werde ich mir jetzt noch mehr denn je den Arsch aufreissen, um das nächste Mal auf der Bühne auch den Letzten davon zu überzeugen, dass ich das Zeug zu einem ganz guten Bodybuilder habe. In diesem Sinne bleibt mir treu, bleibt dem Sport treu und was noch wichtiger ist, kauft Eure Supplemente bei WEIDER. Viel Spaß, bleibt euch selbst treu.
Euer Markus THE HOPE Hoppe.

