Interview mit Pia Kramps zur Deutschen Meisterschaft 2015

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Hallo Pia, herzlichen Glückwunsch erst einmal von unserer Seite aus und noch einmal Gratulation zu dieser beeindruckenden Form. Wie fühlst Du Dich heute ein paar Tage nach dem Wettkampf und zurück im Alltag?

Eine Woche nach der Deutschen Meisterschaft macht mein Herz immer noch einen Sprung bei dem Gedanken an meinen Sieg. Ich hatte vor und nach der Meisterschaft sehr viel zu tun, da ich mich mitten im Umzug befinde und die Vorbereitung nebenbei, jedoch trotzdem zu 110% korrekt und fokussiert ablief. Mir fehlte lediglich die Zeit, mich im Vorfeld verrückt zu machen, was im Nachhinein nur von Vorteil war. Einen Tag vor der DM habe ich noch meine Küche gestrichen und fuhr mit Farbklecksen an den Fingern zur Meisterschaft.

Freunde und Bekannte sind bestimmt begeistert von diesem Auftritt, aber wie zufrieden bist Du selber mit Dir und hast Du für Dich schon wieder eventuell vorhandene Schwachstellen analysiert, die Du ausarbeiten willst?

Im Herbst 2013 stand ich zuletzt auf der Bühne und habe demnach eine 1,5-jährige WK-Pause eingelegt. Meinen ersten Wettkampf 2012 bestritt ich mit nur 6 Monaten Krafttraining. Mein Körper hat deshalb eine längere Pause dringend benötigt, um Muskulatur aufzubauen. Damals waren vor allem im Oberkörperbereich noch starke Schwachpunkte sichtbar, da ich durch jahrelanges Ballett immer sehr zierlich war. Diese konnte ich in meiner längeren Offseason stark verbessern und war deshalb mit meiner diesjährigen Wettkampfform sehr zufrieden. Die Veränderung hat mir auch für die kommende Zeit viel Motivation gegeben, da ich erkennen konnte, dass sich Fleiß, Disziplin und vor allem Geduld auszahlt. Oft denkt man, es geht nicht schnell genug oder es ist zu wenig. Von diesem Gedanken bin ich abgekommen und freue mich über jede noch so kleine Verbesserung.

Wann hast du den Entschluss gefasst, dieses Jahr wieder zu starten?

Der Entschluss kam ganz spontan. Ich habe bereits Mitte Januar mit der Wettkampfdiät begonnen, habe diese jedoch wegen einer Wirtschaftsmathe-Klausur abgebrochen. Ohne Kohlenhydrate, Formeln anwenden, war für mich einfach unmöglich und demnach musste ich Prioritäten setzen. Für meinen neuen Sponsor Weider stand 3 Wochen vor der FIBO ein Fotoshooting an, wofür ich ein paar Wochen Diät machte. Als ich sah, dass die Form recht gut war, entschloss ich, die Diät weiterzuführen und bei der FIBO zu entscheiden, ob ich starte. Somit fiel der Entschluss erst sehr knapp vor meiner ersten Meisterschaft in dieser Saison.

Mit wem hast Du in diesem Jahr zusammengearbeitet, sprich wer hat Dich vorbereitet?

Mich hat zum ersten Mal mein Partner Tim Budesheim vorbereitet. Auch für ihn war diese Art der Vorbereitung neu, da ich als Bikiniathletin doch wesentlich weniger Muskulatur aufweisen kann als ein Schwergewichtsbodybuilder. Seine jahrelange Erfahrung und mein Körpergefühl haben uns zum Ziel geführt. Da uns zu Beginn der Vorbereitung noch knapp 300 km trennten, begutachtete Peter Klein ebenfalls meine Veränderungen und stimmte sich mit Tim ab. Weitere Tipps nahm ich von Tims eigenem Vorbereiter Detlef Herget entgegen und somit entstand ein sehr stimmiges Vorbereiterteam.

Hattest Du im Vorwege selber damit gerechnet hier so weit vorne zu landen?

Ich hatte damit gerechnet, wieder vorne mitzuspielen, jedoch nicht zu gewinnen. Mein Ziel war die Top 3 auf der Deutschen Meisterschaft. Die Bewertung der Bikiniklasse ist bekanntlich auch sehr subjektiv, da neben charakteristischen Bewertungspunkten auch das Allgemeinbild bewertet wird. Aus diesem Grund habe ich mich schon bei meinen vorangegangenen Wettkämpfen von Platzierungen frei gemacht.

Ab welchem Moment wusstest Du, dass Du hier ganz vorne um den Sieg mitspielen wirst?

Die Frage ist, was bedeutet ganz vorne? Für mich war der Sprung ins Finale schon weit vorne. Als ich hinter der Bühne neben 16 bildhübschen, austrainierten Athletinnen stand hatte ich persönlich gar keine Einschätzung und war deshalb unglaublich glücklich, nach der Pause eine der 6 Besten zu sein.

Wie geht es jetzt für Dich weiter? Wie sieht die Saisonplanung aus?

Bisher ist die weitere Planung noch ungewiss. Generell habe ich immer gesagt, dass ich international erst starte, wenn ich in Deutschland einmal alles erreicht habe. Da der Sieg doch sehr unerwartet kam, muss ich alle weiteren Wettkämpfe mit meinem Vorbereiter, Uniplanung und Arbeit abstimmen und werde es euch natürlich sofort wissen lassen.

Abgesehen vom Wettkampfgeschehen in diesem Jahr: Die FIBO liegt gerade hinter uns. Wie hast Du die FIBO in diesem Jahr gesehen du was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Die FIBO 2015 war meine erste FIBO im Weider Team. Ich bin sehr glücklich, Athletin in diesem Team zu sein. Die Organisation war sehr professionell und der Umgang familiär. Nach der FIBO konnte ich erst realisieren, was sich aus einem anfangs sehr kleinen Hobby mittlerweile entwickelt hat und das ich mit dem Sport doch viele Menschen erreichen kann, sich über ihren Lebensstil mehr Gedanken zu machen.

Wie siehst Du den aktuellen Trend des Bodybuildings mit den neuen Physique Klassen der Männer und Frauen? Erleben wir einen Wandel des Bodybuildings oder ist es ein Trend der dem schweren Bodybuilding demnächst wieder weichen muss?

Ich denke, die neuen Klassen haben bei vielen Menschen das Interesse an Bodybuilding geweckt, das die Ergebnisse „erreichbarer“ wirken und ein vom klischeehaften Bodybuildingbild abweichen. Gerade die Physique- und Bikiniklassen gelten als Publikumsmagnet, was teilweise schade ist, weil das ursprüngliche Bodybuilding weiterhin im Fokus stehen sollte, dem Sport jedoch auch einen enormen Aufwind in den letzten Jahren beschert hat. Von daher stehe ich diesen Klassen sehr positiv gegenüber, weil auch ich zarte Person sonst nie den Sprung in der Kraftsport gewagt hätte 😉

Wie denkst Du über Fitness YouTuber wie KarlEss, Tim Gabel, Road to Glory usw.?

Für mich sind Fitness YouTuber nicht zu verachten, da sie zur rechten Zeit mit einem geschickten Marketing in ein sehr großes Geschäft eingestiegen sind. Sie wissen, wie sie Fans und Wissbegierige anlocken und ihnen durch Trainingsvideos etc. den Start in die Fitnesswelt erleichtern. Ich finde es sehr gut, dass sie viele junge Leute dazu anregen, über ihren Lebensstil nachzudenken, sich vernünftig zu ernähren und Sport zu treiben. Auch wenn es bei vielen YouTubern nicht direkt um Bodybuilding geht, propagieren sie den gleichen Lifestyle und das ist wichtig. Dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass es kein selbstloses Hobby ist sondern ein Geschäft, bei dem ebenfalls um (viel) Geld geht. Vor allem jüngere und unerfahrene Sportbegeisterte lassen sich schnell von Angeboten blenden, da sie in eine geschickt konstruierte Marketingstrategie eingebettet wurden. Es gibt zwischen der YouTube- und Bodybuilding-Welt einige Überschneidungen, dennoch sehe ich sie als eher separate Sparten an.

Hast Du noch jemanden dem Du besonders Danken möchtest oder noch ein paar Worte die DU an Deine Fans und die Community richten möchtest?

Ich bedanke mich natürlich bei meinem Sponsor Weider für die tolle Unterstützung, die Motivation und Förderung. Daneben bedanke ich mich bei allen, die meinen Weg verfolgen und mir Zuspruch geben und natürlich bei meinem Vorbereiter und Partner Tim und allen, die dazu beigetragen haben, dass ich Deutsche Meisterin geworden bin.

Vielen Dank für Deine Zeit und Deine ehrlichen Einblicke. Wir freuen uns sehr einen Athleten wie Dich in unserem Team zu haben. Wir wünschen Dir für Diese und alle noch kommenden Wettkampf-Saisons alles Gute und weiterhin so viel Erfolg. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.